Musterschüler und Sorgenkinder – in Frankreich brennen die Schulen

Wieder eine sehr kompakter, informativer und die richtigen Querverbindungen sichtbar machender Kommentar von Jeannine Hierländer aus einem „Economist Insider Newsletter“ vom 8.10.26 aus  DIE PRESSE.  Wenn sich Schülerstreiks zu linkem Terror auswachsen, dann schlittert Europa wieder mehr in die „Schachfiguren-Gesellschaft„, welche unsere Gesellschaft spaltet, die leistungsstarke Mitte zugunsten von Monopolkapitalismus und Extremismus ausbeutet und die Demokratie demoliert 

Musterschüler und Sorgenkinder – in Frankreich brennen die Schulen

Das bisher streikreichste Jahr in Österreich war 2003. Die Streikstatistik zählt für damals 779.182 Beteiligte und insgesamt 10.443.727 Streikstunden. Für österreichische Verhältnisse war das außergewöhnlich.
Der Zorn richtete sich gegen die Pensionsreform der damaligen Regierung um ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Der Gewerkschaft gelang es, auch mit den Großdemos, die Reform in einigen wesentlichen Punkten zu entschärfen, etwa was die Frühpension betrifft. Die OECD kam später zu dem Schluss, dass die Pensionsreform von damals die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen erheblich verbessert hat.
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Jedenfalls waren die Proteste damals breit und massiv, es ging auch um Kürzungen im Schulbereich. Auch viele Lehrer und Schüler gingen damals auf die Straße, vielerorts fiel der Unterricht aus. Aber brannten damals Autos? Wurden Lehrer und Polizisten brutal attackiert, Geschäfte geplündert, Autos angezündet? Nein, von Krawallen und gewaltsamen Zusammenstößen sind keine Nachrichten dokumentiert.
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Anders in Frankreich. Dort sind die Proteste, die sich seit September ausgehend von Schulen in den Banlieues ausgebreitet haben, völlig aus dem Ruder gelaufen. Und zwar so sehr, dass ich der Meinung bin, dass die Bezeichnung „Schülerstreiks“ längst kein adäquater Ausdruck mehr für die Ausschreitungen ist. Wer das anders sieht, braucht sich nur die einschlägigen Videos anzusehen, die im Netz kursieren. Berichtet wird von Straßenschlachten mit der Polizei, brennenden Schulen sowie zahlreichen Verletzten.

 

Frankreich wird aktuell aber nicht nur von einer beispiellosen Protest- und Gewaltwelle heimgesucht. Sondern auch von den Investoren sehr genau beobachtet. Denn das Land ist, um beim Bild der Proteste zu bleiben, nur einen Steinwurf von einer veritablen Staatsschuldenkrise entfernt. Der Schuldenberg – er beträgt bereits 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – blieb jahrelang kontrollierbar, weil das Geld dank der Nullzinspolitik billig war. Nun aber steigen die Zinsen, und Frankreich bezahlt für neue Kredite inzwischen mehr als Griechenland und Italien.

 

Aber Frankreich ist nicht das einzige Sorgenkind der Eurozone. Die hohen Staatsschulden mehrerer Euroländer belasten längst die Gemeinschaftswährung. Wer jetzt bangen muss und wer vom fallenden Euro profitiert, haben Beate Lammer und Nicole Stern analysiert. Wir widmen dem Thema außerdem einen Schwerpunkt in der gedruckten Samstagsausgabe sowie auf diepresse.com.

 

Und falls Sie am Sonntagvormittag Zeit haben, freue ich mich, wenn Sie einschalten: Da werde ich in der ORF-Pressestunde Johannes Kopf, den Vorstand des AMS, zur aktuellen Arbeitsmarktlage befragen.

 

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in den Tag.
Herzlich, Ihre
Jeannine Hierländer
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