Bericht vom Lusak-Vortrag „Quo vadis Mitte?“ beim Rotary-Meeting am 8.9.26

Bericht vom Lusak-Vortrag "Quo vadis Mitte?" beim Rotary-Meeting am 8.9.26 beim "Gerstner" im Palais Todesco

erstellt von Sonja Demuth - Executive Secretary des RC Wien-Albertina

Peter Hofbauer stellt Mag. Wolfgang Lusak vor und das Thema der politischen Mitte kann aktueller nicht sein. In Österreich glaubt laut einer im Sommer veröffentlichten Studie nur noch eine knappe Mehrheit der Bevölkerung daran, dass die Demokratie die beste Staatsform ist. Gleichzeitig bestehen Zweifel an ihrer Funktionsfähigkeit. Beson­ders bei jüngeren Menschen nimmt die Zustimmung zu einer „starken Hand“ zu. Das wird als deutliche Warnung für die liberale Demokratie und als Frage nach der Zukunft der politischen Mitte interpretiert.

Wolfgang Lusak ist Unternehmensberater, Universitätslektor und Marketingex­perte. Neben seiner früheren Tätigkeit im Weinmarketing, bei der er zur Aufarbeitung des durch den Glykol-Skandal beschädigten Images des österreichischen Weins beige­tragen hat, beschäftigt er sich seit Jahren mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mitte.

Zum Vortrag:

Peter Hofbauer stellt Mag. Wolfgang Lusak vor und das Thema der politischen Mitte kann aktueller nicht sein. In Österreich glaubt laut einer im Sommer veröffentlichten Studie nur noch eine knappe Mehrheit der Bevölkerung daran, dass die Demokratie die beste Staatsform ist. Gleichzeitig bestehen Zweifel an ihrer Funktionsfähigkeit. Beson­ders bei jüngeren Menschen nimmt die Zustimmung zu einer „starken Hand“ zu. Das wird als deutliche Warnung für die liberale Demokratie und als Frage nach der Zukunft der politischen Mitte interpretiert.

Wolfgang Lusak ist Unternehmensberater, Universitätslektor und Kooperations- und Lobbying-Coach für die Durchsetzung von Innovation. Neben seiner früheren Tätigkeit im Weinmarketing, bei der er zur Aufarbeitung des durch den Glykol-Skandal beschädigten Images des österreichischen Weins beige­tragen hat, beschäftigt er sich seit Jahren mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mitte.

Lusak erläutert zunächst seinen persönlichen Zugang zum Thema. Nach Tätig­keiten in Konzernen als Marketing- und Verkaufsleiter sowie Geschäfts­führer hat er sich 1997 selbstständig gemacht und sich vor allem auf die Beratung von KMU konzentriert. Dabei ist ihm zunehmend aufgefallen, dass kleine und mittlere Unter­nehmen in Öster­reich mit schwierigen Rahmenbe­dingungen konfrontiert sind. Daraus hat sich sein Inter­esse an der gesellschaftlichen Mitte und deren Bedeutung für die Zukunft Österreichs entwickelt.

Lusak definiert den Begriff „Mitte“ aus verschiedenen Perspektiven. Einerseits zählt er Unternehmer, Selbstständige, Freiberufler, EPU (Ein-Personen-Unternehmen ohne Angestellte) und KMU (kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Be­schäftig­ten) dazu, aber auch die Vollzeitbeschäftigten der Mittelschicht, die sich in einer ähnlichen wirt­schaftlichen Situ­ation befinden. Nach seinen repräsentativen, mit Gallup umgesetzten Umfragen „Mittelstandsbarometerfühlen sich rund 36 Prozent der österreichi­schen Bevölkerung einer Werte-Gemeinschaft Mittelstand der Werte Leistung, Eigentum, Nachhaltigkeit und Fairness zugehörig. Diese Mitte sorgt wirtschaftlich für staatserhaltenden Steuerbeitrag und Konsum, für notwendige Investments, Innovation und Arbeitsleistung. Philosophisch steht die Mitte für Balance, Ausgewogenheit, langfristiges Denken und Verantwortungsbewusstsein. Sie bildet damit einen Gegenpol zu Extremis­mus, Polari­sierung und gesellschaft­licher Spaltung.

Als wesentliche Ursachen für den Bedeutungsverlust der Mitte nannte Lusak monopolistische Macht­konzentrationen, Links- und Rechtspopulismus sowie eine Umverteilung von Mitte zu Arm & Reich. Als wesentliche Folgen dieser Entwicklung Egoismus, Missbrauch in soziale Medien, den Zuwachs bei Fake News, Kriminalität, Drogenkonsum, einseitiges Lobbying und eine stark auf negative Nach­richten ausgerichtete Medienlogik. Dadurch entsteht zunehmend eine „Schach­figuren­gesellschaft“ mit einer kleinen, sehr reichen und einflussreichen Spitze, einer großen Gruppe von „Nettoempfängern“ am unteren Ende und einer dazwischenliegenden Mitte, die wirtschaft­lich besonders stark belastet ist.

Lusak kritisiert insbesondere eine „zu hohe“ steuerliche Belastung von Arbeit und Unter­nehmen sowie Bürokratie und erschwerten Kapitalzugang. Diese Benachteiligungen können zu Motivationsverlust führen, wenn Menschen trotz Voll­zeitarbeit finanziell kaum besser dastehen als Personen mit deutlich geringerer Er­werbs­arbeit – und sich keine richtige Existenz mehr aufbauen können.

Zur Untermauerung seiner Aussagen verweist Lusak auf weitere Ergebnisse seiner Umfragen: Die Bevölkerung sieht KMU und den Mittelstand demnach als wichtigste Träger des gesellschaftlichen Fortschritts. Gleichzeitig verfügen gerade diese Gruppen über eine – vergleichsweise - geringe politische Interessenvertretung. Während 2008 noch 38 Prozent der Befragten den KMU eine starke Lobby zugesprochen hatten, sind es zuletzt nur noch 11 Prozent gewesen. Beim Mittelstand ist der Wert von 22 auf 4 Prozent gesunken. Gleichzeitig haben rund 90 Prozent der Befragten angegeben, dass die Mitte für Österreich wichtig ist.

Auch parteipolitisch hat sich laut Lusaks Umfragen kein eindeutiges Angebot an die Mitte herausgebildet. Besonders bemerkenswert ist, dass 34 Prozent der Befragten keine Partei als Mittepartei bezeichnet haben. Lusak interpretiert dies als Hinweis auf ein vorhandenes, aber bislang nicht ausreichend angesprochenes Wähler-Potenzial.

Als Folgen der Schwächung der Mitte nennt er unter anderem steigende Staatsaus­gaben und Verschuldung, Pessimismus, gesellschaftliche Verrohung, den mög­lichen Verkauf strategisch wichtiger österreichischer Unternehmen und Infra­struktur an ausländische Investoren sowie eine zunehmende Abhängigkeit der Politik von mächtigen wirtschaftlichen Interessen autoritärer Regime. Dadurch wird auch die Demokratie belastet und die Fähigkeit des Staates geschwächt, auf nationale und globale Krisen zu reagieren.

Als Lösungsansätze schlägt Lusak unter anderem mehr Transparenz über die gesell­schaftliche Mitte, eine stärkere politische Repräsentation von Unter­neh­mern und KMU in den politischen Gremien , bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Inno­vation sowie steuerliche Entlastungen vor - beispielsweise ein reduzierter Steuersatz für nicht entnommene Gewinne, eine steuerfreie Investitionsrücklage und niedrigere Lohnnebenkosten für kleinere Unternehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrags ist Innovation. Lusak betont, dass KMU durch neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsfelder ihre Position gegenüber großen Unternehmen stärken könnten. Als Beispiel schildert er ein von ihm beglei­tetes Projekt im Bereich Energieautarkie. Gemeinsam mit Ingenieurbüros ist eine Interes­sen­gruppe aufgebaut und ein neues Geschäftsfeld entwickelt worden. Daraus ist schließ­lich ein Netzwerk entstanden, in dem zahlreiche Unternehmen und Institu­tionen zusammenarbeiteten. Das Beispiel zeigt, dass KMU durch Kooperation und Innovation auch gegenüber großen Konzernen erfolgreich agieren und unseren Standort stärken können.

Darüber hinaus spricht sich Lusak für eine stärkere Rolle von Kunst und Kultur bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen aus. Künstler aus Bereichen wie Theater, Film, Musik, Tanz, Literatur und neuen Medien könnten dazu beitragen, das Thema gesellschaftliche Mitte unabhängig und kreativ zu reflektieren. Er plädiert dabei für eine stärkere Unabhängigkeit der Kultur von parteipolitischen Vorgaben.

Zum Abschluss seines Vortrags betont Lusak, dass die gesellschaftliche Mitte nicht nur eine politische oder wirtschaftliche Kategorie ist. Sie beginnt beim Einzelnen und hat auch mit persönlicher Ausgeglichenheit sowie der Fähigkeit zu tun, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Sein Zielbild ist eine „runde Gesellschaft der Mitte“, in der es eine kleine Zahl sehr reicher und sehr armer Menschen gibt, die große Mehrheit jedoch in fairen und stabilen Verhältnissen lebt. Seine zentrale Botschaft lautete: „Nur wenn es der Mitte gut geht, geht es uns allen gut.

An der anschließenden Diskussion beteiligen sich: Peter Hofbauer, Christian Norden, Katrin Vohland, Simone Wohinz, Cynthia Zimmermann.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage nach der politischen Mitte und ihrer Reformfähigkeit. Obwohl sich viele Menschen und auch Teile der Parteienlandschaft der Mitte zugehörig fühlen, ist diese politisch wenig sichtbar und muss sich angesichts der Entwicklungen an den politischen Rändern neu positionieren.

Diskutiert wird, ob die politische Mitte tatsächlich für größere Veränderungen steht oder eher verwaltet. Lusak sieht etablierte Parteien zunehmend in bestehenden Macht- und Interessenstrukturen verankert und stellt deren Reformfähigkeit infrage. Als mögliche Entwicklungen nennt er eine Neupositionierung bestehender Parteien oder die Ent­stehung einer neuen politischen Bewegung. Gleichzeitig fehlt der Mitte teilweise der Veränderungsdruck.

Auch die Rolle von Wissenschaft, Kunst und Kultur wird thematisiert. Wissenschaft und Forschung sind insbesondere für Innovation unverzichtbar, werden aber teilweise durch politische oder institutionelle Interessen eingeschränkt. Kunst und Kultur könnten ge­sellschaftliche Entwicklungen kritisch hinterfragen und neue Perspektiven auf die poli­tische Mitte eröffnen. Dabei muss die Freiheit der Kunst gewahrt bleiben.

Cynthia Zimmermann berichtet von einem hohen Abstimmungsaufwand innerhalb der Dreierkoalition. Die Verwaltung arbeitet intensiv, politische Entscheidungen werden durch die notwendige Koordination zwischen den Regierungsparteien jedoch häufig verzögert und dadurch von außen als Stillstand wahrgenommen.

Abschließend geht es um die politische Interessenvertretung von Mittelstand, KMU und Selbstständigen. Lusak sieht eine starke Verflechtung großer wirtschaftlicher Interessen mit politischen Strukturen, während kleinere Unternehmen und Selbstständige weniger gut organisiert sind. Vielen KMU fehle zudem die Möglichkeit, professionelle Lobbying-Strukturen aufzubauen, wodurch ihre Interessen politisch weniger Gehör finden.

Sebastian, Claus und Peter bedanken sich bei Wolfgang Lusak für seinen Vortrag und überreichen ihm zum Dank eine Bonbonniere vom Gerstner.

Hier noch ein Link zu einem Artikel mit mehr Details aus dem Vortrag  zum Nachlesen: https://www.lobbydermitte.at/2026/08/26/was-wir-ueber-spaltung-wissen-sollten/

Sonja Demuth
Executive Secretary RC Wien-Albertina
Club-Mail: office@rc-wien-albertina.at

Wer sich über Lusaks Arbeit näher informieren möchte: www.lusak.at  www.lobbydermitte.at  www.herzindermitte.at