Vom doppelten Trilemma bis zum europäischer Befreiungsschlag

Der SOLUTION CLUB feierte seinen offiziellen Auftakt am 19. Jänner 2026 in der Wiener Hofburg – ein Abend des Austauschs, der offenen Fragen und neuer Perspektiven. Lobby der Mitte war dabei. Wolfgang Lusak war als Speaker und Podiumsdiskutant engagiert. Link zur Presseaussendung des SOLUTION CLUB. Das Gesamtvideo zum Event. Weitere Kontakte und alle Downloads & Streams unten. 

Vom doppelten Trilemma zur Handlungsfähigkeit: Aktiver Inkrementalismus und Strukturreformen als europäischer Befreiungsschlag.

Mit Velina Tchakarova (Politikwissenschaftlerin) & Wolfgang Lusak (Innovationsstratege)  

(Bericht & Presseaussendung des SOLUTION CLUB, Fotocredit SOLUTION CLUB)

WIEN – In Kooperation mit der Veranstaltungsreihe „Terra Humana“ feierte der Solution Club am 19. Jänner in der Wiener Hofburg seinen offiziellen Auftakt. Der Solution Club versteht sich als interdisziplinäre Denkbewegung und Plattform für konstruktiven Dialog, die Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vernetzt, um konkrete Antworten auf komplexe Zukunftsfragen zu entwickeln. Moderiert wurde der Abend von Mitbegründer Matthias Zacek (ehemaliger Industry Head Google Austria), der gemeinsam mit Paul Weichesmiller das Ziel verfolgt, durch neue Allianzen den Modus der reaktiven Krisenbewältigung zu verlassen.

In der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zeichneten die Geopolitik-Expertin Velina Tchakarova und der Innovationsstratege und Lobby-Coach Wolfgang Lusak ein präzises Bild der europäischen Herausforderungen. Die zentrale Erkenntnis: Europa steht nicht nur vor einem geoökonomischen Spannungsfeld aus Energie, Märkten und Sicherheit, sondern vor zwei tiefgreifenden, verflochtenen Trilemmata.

Die zwei strategischen Priorisierungstrilemmata
Tchakarova konstatierte zunächst ein strukturelles Trilemma: Die gleichzeitige Verfolgung von Reindustrialisierung, militärischer Nachrüstung und Dekarbonisierung. Da finanzielle und industrielle Ressourcen begrenzt sind, erzeugt jede Schwerpunktsetzung massive Opportunitätskosten. Ohne explizite Priorisierung drohe eine Fragmentierung, bei der keines der Ziele substanziell erreicht werde.

Parallel dazu steht Europa vor einem geopolitischen Trilemma: der Wahl zwischen strategischer Autonomie, einer engen Allianz mit den USA oder einer tieferen Anlehnung an China. Während eine echte Autonomie massive Investitionen und einen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren erfordern würde, sind kurzfristige Abhängigkeiten von den USA oder China mit erheblichen strategischen Kosten verbunden.

Europa agiere derzeit als „normative Supermacht“
 (etwa durch den AI Act), ohne jedoch über das notwendige geotechnologische Gewicht zu verfügen, um zwischen dem Block der USA und der Koordination von China und Russland – von Tchakarova als „Drachen-Bär“ definiert – bestehen zu können. Der Ukraine-Krieg wurde dabei nicht als isolierter Regionalkonflikt, sondern als Angriff auf die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur der letzten 30 Jahre gewertet.

Vom „Durchwursteln“ zum aktiven Inkrementalismus
Wolfgang Lusak ergänzte diese globale Sicht um eine systemkritische Innenperspektive. Er forderte eine Stärkung der „staatstragenden Mitte“, um die innere Widerstandskraft gegen äußere Schocks zu erhöhen. Lusak forderte eine Abkehr vom reinen Verwalten des Status Quo („Arbeiten im System“) hin zu einer fundamentalen Weiterentwicklung der demokratischen und wirtschaftlichen Strukturen („Arbeit am System“). Er kritisierte eine zunehmende Desorientierung und Verantwortungsflucht in der Gesellschaft, die Europa gegenüber äußeren Schocks, etwa Donald Trump, verwundbar mache.

Die Diskussion mündete in der Erkenntnis, dass Europa eine radikale Ehrlichkeit in der Prioritätensetzung benötigt
Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Zeit der „geopolitischen Gemütlichkeit“ vorbei ist und Europa gezwungen ist, sich entweder als Juniorpartner enger an die USA zu binden oder den schmerzhaften und teuren Weg zur echten strategischen Autonomie einzuschlagen. Ohne einen sofortigen Mindset-Shift und eine Entlastung der innovativen Kräfte drohe dem Kontinent die technologische und sicherheitspolitische Bedeutungslosigkeit sowie die Unterwerfung unter autoritäre Supermächte.

Als Lösungsweg, um den drohenden systemischen Niedergang abzuwenden, wurde der Ansatz des aktiven Inkrementalismus präsentiert
Anstatt auf maximale, oft blockierende Zielbilder zu warten, müsse Europa konsequente, strategisch kohärente Schritte setzen. Dieser Pfad der kleinen, aber stetigen Investitionen in Verteidigungsfähigkeit, industrielle Wertschöpfung und Schlüsseltechnologien sei der beste Weg, um strategische Autonomie von einem bloßen Narrativ in reale Handlungsfähigkeit innerhalb der bestehenden Trilemmata zu überführen.

Zentrale Erkenntnisse (Takeaways):

Blockbildung: Die Welt ist in einem bipolaren Systemwettbewerb („Neuer-Kalter-Krieg“) zwischen der USA-geführten Allianz und der China-Russland-Achse („Drachen-Bär“) gefangen.

Machtvakuum: Europa ist institutionell stark reguliert, aber geopolitisch zahnlos; es fehlt an geotechnologischem Gewicht und einer realistischen Machtpolitik.

Das Trilemma: Dekarbonisierung, Verteidigungsfähigkeit und Reindustrialisierung lassen sich kurzfristig nicht gleichzeitig maximieren; eine ehrliche Priorisierung fehlt.

Systemisches Risiko: Der Ukraine-Krieg markiert das Ende der europäischen Friedensordnung und erfordert den Übergang von einer Friedens- zu einer Resilienzlogik.

Gefahr der Deindustrialisierung: Hohe normative Standards (CO2-Aufpreise) führen ohne flankierende Wettbewerbsfähigkeit zur Abwanderung der industriellen Basis.

Erosion der Mitte: Die Schwächung des Mittelstands und der sozialen Mitte macht Europa anfällig für interne Destabilisierung und Wirtschaftsschwäche sowie externe Erpressbarkeit.


Vorgeschlagene Lösungsansätze:

Radikale Ehrlichkeit und Priorisierung: Es wurde gefordert, ehrlich darüber zu sprechen, dass man nicht alle Ziele (Dekarbonisierung, Verteidigung, Reindustrialisierung) gleichzeitig und mit gleicher Intensität verfolgen kann. Eine klare Priorisierung ist kurz- bis mittelfristig unumgänglich.

Entscheidung über die geopolitische Ausrichtung: Europa muss sich entscheiden, ob es weiterhin Juniorpartner der USA bleibt, eine Partnerschaft mit China sucht oder den harten Weg zur strategischen Autonomie geht.

Anpassung an den „Neuen Kalten Krieg“: Die Notwendigkeit, die Gesellschaft und die Industrie auf einen dauerhaften Systemwettbewerb und hybride Bedrohungen vorzubereiten, wurde betont, da Europa derzeit noch im „Friedensmodus“ verharrt.

Aktiver Inkrementalismus: Abkehr von Maximalforderungen zugunsten stetiger, strategisch aufeinander abgestimmter Investitionen in Schlüsseltechnologien und Infrastruktur.

Regulatorische Atempause: Vorübergehende Suspendierung wettbewerbshemmender Klimaschutz-Auflagen (z.B. CO2-Aufpreise), bis technologische Durchbrüche eine grüne Industrie wettbewerbsfähig machen.

Aufbau einer Runden Gesellschaft der Mitte & Demokratiereform: Stärkung der repräsentativen Demokratie durch einen „Schulterschluss des unternehmerischen Mittelstands & der angestellten Mittelschicht“, um mit Mitte-Quoten, Mandats-Verlosungen, Mehrheits-Wahlrecht & Politiker-Ausbildung innere Kraft gegen äußeren Druck aufzubauen.

Echte Strukturreform des Staates in den Bereichen Steuer, Pension, Verwaltung, Föderalismus, Bildung, Innovationen – um Kosten zu senken und Wirtschaft zu beleben durch faire Rahmenbedingungen für KMU gegenüber den Konzernen.

Clean Lobbying: Förderung von transparentem Lobbying für innovative KMU und Startups, damit sie die monopolistischen BigTech-Konzerne und Großinvestoren herausfordern sowie die Abwehr von nicht innovativen „Platzhirschen“ durchbrechen können.
.

12 Zitate:

„Wir befinden uns in einem neuen Kalten-Krieg.“ – Velina Tchakarova

„Der Drachen-Bär“: Eine strategische Koordinierung zwischen China und Russland gegen den Westen.“
– Velina Tchakarova

„Europa ist eine normative Supermacht, aber keine geopolitische.“ – Velina Tchakarova

„Ohne Besinnung auf die Qualität und Notwendigkeit der Mitte wird Europa zum musealen Vasallen-Kontinent von USA und China“ – Wolfgang Lusak

„Wir sitzen zwischen zwei geopolitischen Stühlen.“ – Velina Tchakarova

„Dekarbonisierung, Verteidigung, Reindustrialisierung – das ist das Trilemma, an dem Europa derzeit scheitert.“ – Velina Tchakarova

„Wir müssen am System arbeiten, nicht nur im System.“ – Wolfgang Lusak

„Nur die wahrhaft staatstragende Mitte der Gesellschaft – unternehmerischer Mittelstand und angestellte Mittelschicht – hat die Qualität für ein Überleben der Menschheit.“ – Wolfgang Lusak

„Wir haben Donald Trump gebraucht, dass er uns ein bisschen in den Hintern tritt, damit wir uns zu einer europäischen Einigung durchringen.“ – Wolfgang Lusak

„Strategische Autonomie erfordert einen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren – wir müssen heute beginnen.“ – Velina Tchakarova

„Wir brauchen eine Denk-Umkehr: Stellen wir uns nicht mehr GEGEN Armut & Reichtum, setzen wir uns FÜR die Mitte ein.“ – Wolfgang Lusak

„Aktiver Inkrementalismus ist der Ausweg aus dem Modus des Durchwurstelns.“ – Matthias Zacek (zusammenfassend)

.
Kontakt:  solutionclub.org
Paul Weichesmiller  weichesmiller.paul@werbewald.at
0043 664 456 09 09

DOWNLOADS:
Audio-Download, Solution Club, Hofburg, 19.1.2026

Fotos-Download, Solution Club, Hofburg, 19.1.2026

Video-Download, Solution Club, Hofburg, 19.1.2026

STREAMS:
Audio-Stream, Solution Club, Hofburg, 19.1.2026

Video-Stream, Solution Club, Hofburg, 19.1.2026

.

Die Lobby der Mitte bedankt sich dafür, dass sie an diesem so tief schürfenden Gedankenaustausch teilhaben durfte.
Wir wünschen dem neu aufgestellten SOLUTION CLUB viel Erfolg und wünschen uns einen fortgesetzten Gedankenaustausch.