„Frieden in Gerechtigkeit aufbauen“

Ein guter Freund hat mir die neue Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas vom 15. Mai 2026 zugesendet und gemeint, dieser Papst findet in Bezug auf die historische Verantwortung der Kirche die richtigen Worte und – das betonte er – formuliert viele Sätze, die man als Plädoyer für eine „runde Gesellschaft der Mitte“ ansehen kann. Daraufhin habe ich mich auf die Suche nach dieser möglichen Geistesverwandtschaft gemacht, bin fündig geworden und zitiere hier vier, mir relevant erscheinende Ausschnitte, die mich sehr berührt haben (das Foto von Papst Leo entstammt der offiziellen Vatikan-Webseite):

Frieden in Gerechtigkeit aufbauen

4 Zitate als Anstoß weiter zu lesen und zu denken

Frieden in Gerechtigkeit aufbauen

215.

Alle, auf welcher Ebene auch immer, können wir zur Grundlage des Friedens beitragen, die die Gerechtigkeit ist. Wir streben nämlich nicht nach irgendeinem Frieden, nach einer Abwesenheit von Konflikten um jeden Preis, sondern nach jenem wahren Frieden, der aus der Gerechtigkeit entsteht. »Die Gerechtigkeit des einzelnen und der Frieden aller sind miteinander eng verbunden.« [190] In seinem Kommentar zum Psalmvers »Gerechtigkeit und Frieden küssen sich« ( Psalm 85,11b) schreibt der heilige Augustinus: »Denn es gibt niemanden, der keinen Frieden will; aber nicht jeder ist bereit, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. […] Du aber übe Gerechtigkeit; denn Gerechtigkeit und Friede küssen sich, sie streiten nicht. Warum streitest du mit der Gerechtigkeit? Sieh, die Gerechtigkeit sagt dir: ‚Du sollst nicht stehlen‘, und du hörst nicht; ‚Du sollst nicht ehebrechen‘, und du willst nicht hören; ‚Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu; was du nicht willst, dass man dir sage, das sage auch keinem anderen.‘ […] Möchtest du Frieden erreichen? Dann übe Gerechtigkeit!« [191] Lasst uns nicht müde werden, nach der Gerechtigkeit zu streben!

Im Guten aufbauen

12.

Zweitens bedeutet im Guten aufzubauen, die Begrenztheit und Schwäche des Menschen zu akzeptieren, ohne sie als einen Fehler zu betrachten, der korrigiert werden müsste. Das menschliche Verlangen nach Fülle läuft heute Gefahr, zu trügerischen Zielen hin umgeleitet zu werden – durch die Illusion der Technik, die verspricht, uns von aller Schwäche zu befreien, oder durch Wohlstandsmodelle, die ganze Völker „zurücklassen“. Nicht selten setzen wir unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum, auf Formen des Fortschritts, die Ungleichheiten verschärfen, auf sofortige Lösungen, die nicht in der Lage sind, die Wunden der Völker zu heilen. Während also einige der Chimäre einer grenzenlosen Selbstbestätigung nachjagen, entbehren viele des Lebensnotwendigen. Die Kirche erinnert mit demütiger, aber fester Stimme daran, dass wahre Erfüllung nicht aus der Beseitigung von Schwäche entsteht, sondern aus harmonischem Wachstum, wenn Freiheit und Verantwortung mit gegenseitiger Fürsorge und echter Solidarität einhergehen und wenn Fortschritt an der Würde jedes Einzelnen und am Wohlergehen aller Völker gemessen wird.

13.

Der Aufbau einer Welt, in der alle „zur Blüte gelangen“ können, erfordert drittens mutige gemeinsame Verantwortung. Keine Hand allein reicht aus, um die Last der Herausforderungen zu tragen, vor denen die Welt steht, und keine Hand ist so schwach, dass sie keinen Beitrag leisten könnte, »denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet« (2 Kor 12,9). Einem jeden seinen Mauerabschnitt: den Wissenschaftlern und Forschern, den Unternehmern und Arbeitnehmern, den Pädagogen und Gesetzgebern, der Zivilgesellschaft, den Volksbewegungen und den Glaubensgemeinschaften. Dies ist die Logik der Subsidiarität, welche die Zusammenarbeit zwischen Generationen, Völkern, Disziplinen und Kulturen als den wichtigsten Weg zur Förderung von Stabilität, Wohlstand und Frieden zur Geltung kommen lässt. Spannungen und Unterschiede sollen nicht einschüchternd wirken, denn sie können zu kreativen Energien werden, wenn sie von gemeinsamer Verantwortung geleitet werden.

Den Dialog neu anstoßen

219.

Um die Zivilisation der Liebe aufzubauen, müssen wir den Dialog praktizieren. Er ist das wichtigste Instrument für das Zusammenleben zwischen Menschen und zwischen Nationen und er ist die Alternative zum offenen Konflikt. Daran hat bereits Pius XII. am Vorabend des Zweiten Weltkriegs erinnert, als er erklärte, dass man durch den Frieden nichts verliere, während man durch den Krieg alles verlieren könne, und dass die Menschen wieder miteinander sprechen müssten, weil ein aufrichtiger und beharrlicher Austausch immer die Möglichkeit einer ehrenhaften Lösung eröffne.

Wer jetzt Lust bekommen hat, in die komplette Enzyklika hineinzusehen, bitte sehr

 

Dank an den Heiligen Vater, der hier einen Beitrag zu einer neuen Vereinigung der Menschen, zu Weltfrieden und zu einem Weg der Mitte geleistet hat.

 

Freue mich über alle Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge …

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Mag. Wolfgang Lusak ist Obmann der unabhängigen „Lobby der Mitte“ und Lobby-Coach für Innovationsprojekte. In seiner Erzählung „Mein Herz schlägt in der Mitte“ legt er ein Fünf-Punkte-Programm für die „Gesellschaft der Mitte“ vor

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