„DAS SISYPHUS-SYNDROM“- neuer Lusak-Artikel zur IKT-Sicherheitskonferenz

Ein ziemlich ungewöhnlicher und aufrüttelnder Text von Wolfgang Lusak, der anlässlich der IKT-Sicherheitskonferenz am 16.9.26 im DESIGN CENTER Linz im Magazin VANGUARD zum ersten Mal der dort 5300 Menschen umfassenden Cybersecurity-Community und damit auch der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Ich habe dort auf Einladung des ZRK teilgenommen, dem ich als Mitglied, Kooperations-Partner und Vertreter der Lobby der Mitte angehöre. Freundlicherweise haben mich ZRK-Vorstandsvorsitzender Dipl.-Ing Johannes Göllner und der ZRK-Marketing- & Kommunikations-Verantwortliche Robert Pelikan ersucht, diesen Artikel für VANGUARD zu schreiben.

DAS SISYPHUS-SYNDROM:
Warum Sicherheitsarbeit ohne gesellschaftliche Mitte nie ans Ziel kommt

Erst zentrierte Vernetzung macht aus partieller Gefahrenabwehr eine erfolgreiche Sicherheitsstrategie

Ein Artikel von Wolfgang Lusak (veröffentlicht in VANGUARD 1/2026 von ZRK und in der Lobby-der-Mitte-Website)

Erkennen wir die wahren Dimensionen der Bedrohungs- und Krisen-Lawine, die uns gerade in Europa überrollt? Ist uns klar, dass die Wild-West-Methoden der Unsicherheitsverbreiter eine neue Dimension globaler Sicherheitskonzepte erfordern? Schwierige Frage. Können wir uns darauf einigen, dass nichts so bleibt, wie es einmal war? Das wäre ein Anfang dafür, den Überblick zurückzugewinnen.

Den Überblick darüber, wie wir jetzt unsere Landesverteidigung gestalten, hybride Kriegsführung, Drohnenangriffe und Sabotage an Infrastruktur abwehren sowie Terroranschläge, Kriminalität und illegale Migration verhindern. Darüber, wie wir Bränden, Wasserverknappung, Ernteausfällen, Energieengpässen und Blackouts begegnen. Wie wir unsere digitalisierten Daten vor Hackern schützen, gleichzeitig Menschen zum richtigen Umgang mit Handys und Internet bringen. Wieso es wenigen Menschen gelingt, auf Kosten vieler unermesslich reich zu werden und damit gewaltige gesellschaftliche Schieflagen zu erzeugen. Wie globale Verführungssysteme Menschenmassen mit Drogen, Spielen, Erzählungen und Genüssen zu Alltags-Junkies machen. Wie heute Top-Manager die Einführung von KI in ihren Konzernen befehlen – ohne zu wissen, was sie damit zerstören und auslösen. Wie wir aus verwöhnten und anspruchsvollen wieder verantwortungsvolle, resiliente und wehrfähige Menschen machen. Wie man angesichts Klimawandel und Ressourcen-Verknappung aus Feindbildern heraus wieder in kooperative Partnerschaften hinein findet. Warum sich die Mehrheit der Menschen von ihren vordergründig demokratischen Regierungen oder auch hintergründigen diktatorisch-monopolistischen Mächtigen unverstanden, ignoriert und ausgebeutet fühlt. Wie sich der Zyklus wachsender Gewalt beschleunigt.

Macht es nicht wie Sisyphus

Es wird uns ja täglich vor Augen geführt, dass es nicht genügt einzelne Firewalls aufzubauen, KI-gesteuerte Raketen-Abwehrsysteme zu installieren, Wasser-Stauseen anzulegen, Zucker zu verbieten, E-Bike-Fahrern Helme aufzusetzen, zu Selbstverteidigungskursen zu verpflichten, usw. Solange wir in einem von Menschen- und Umweltverachtung dominierten System leben, das Gier, Dummheit und Gewalt zu viel Platz gibt. Solange in dieser Welt begrenzter Ressourcen immer mehr Ungerechtigkeit und damit Unsicherheit entsteht. Solange alle um partielle Sicherheitslösungen bemühten Experten, Wissenschaftler oder Entscheider im Sisyphus-Arbeitsmodus verharren. Sich dabei – bei allem Respekt – zu nützlichen Idioten der diktatorisch-monopolistischen Mächtigen machen.

Tatsächlich ist unsere Welt unsicherer geworden. Weil sie gezielt unsicherer gemacht wurde, weil wir das Unsicherheitsgefühl selbst bis hin zur Hysterie medial verbreiten. Weil extremistische Machtmenschen sowie Manager monopolistischer Big-Data-Konzerne trotz schlimmer Kollateralschäden ihre Wege fortsetzen. Und sich gut bezahltes, system-konformes Sicherheitspersonal ins Fäustchen lacht. Es wird also nicht genügen, die technischen und oberflächlichen Symptome der Unsicherheit einzeln zu bekämpfen, wir müssen ihre wahren Ursachen gesamthaft verstehen und daraus Strategien für eine neue, weltweit krisenfeste Gesellschaft ableiten.

Meine Kernaussage ist: Solange wir in einer ungerechten Welt leben, wird sich die Sicherheitslage weiter verschlechtern. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel zur Errichtung einer gerechten und verantwortungsvollen Sicherheits- und Demokratie-Struktur. Die Mitte wird dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Wie die „unheiligen Allianz“ dominiert und Mitte zerstört

Ich bin seit Jahrzehnten mit der Durchsetzung nachhaltig-digitaler Innovationen beschäftigt und beobachte als Coach politischer Organisationen die Lobby-Netzwerke der Macht in den westlichen Demokratien. Diese Macht schafft eine künstliche Spaltung zwischen Links und Rechts, Jung & Alt, Arm & Reich, Arbeitenden & Sozialhilfe-Bedürftigen, Insidern & Outsidern. Was letztlich nur der „unheiligen Allianz“ zwischen Monopol-Kapitalisten und Links- oder Rechts-Populisten zu Gute kommt. Weil das zu einer Gesellschaft führt, die wie eine Schachfigur aussieht, in der oben im Kopf der Rahm abgeschöpft wird, in der unten die sozial Schwachen mit „Brot & Spielen“ sowie „Teilen & Herrschen“ ruhig gestellt werden und dazwischen die am meisten zum Bruttosozialprodukt beitragende Mitte ausgepresst wird.

Dazu kommt, dass rund 70 % der Weltbevölkerung in Diktaturen lebt, dass autoritäre Regime sogar wieder zunehmen und teilweise auch Europa bedrohen. Russland betreibt territoriale Angriffskriege, China aggressive Wirtschaftspolitik, USA Big-Tec-Monopole und Militäraktionen für Ressourcen-Zugriffe.

In den westlichen, vor allem europäischen Demokratien bilden der unternehmerischer Mittelstand und die Vollzeit arbeitende, angestellte Mittelschicht die „Mitte der Gesellschaft“, welche als „Nettozahler“ den wichtigsten Leistungsträger stellt. Sie macht als Wertegemeinschaft der Werte Leistung, Eigentum, Nachhaltigkeit und Fairness gut ein Drittel der Bevölkerung aus. Sie leidet unter Steuerungerechtigkeit, Bürokratie sowie schlechtem Zugang zu Kapital und monopolisierter Technologie. Sie erhält Staat und Gesellschaft mit Konsum, Investition, Innovation, Verantwortungsbewusstsein und ausgleichendem Verhalten. Von ihr wird zu Arm und Reich umverteilt, weil es superreiche Investoren und monopolistische Konzerne immer wieder schaffen, Steuerzahlungen zu vermeiden. Aber wenn die Mitte zu sehr belastet wird, verliert sie ihre Kreativität, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Wenn sie zugrunde geht, geht auch der Staat zugrunde.

So entstand die „Schachfiguren-Gesellschaft“

Trotz gegenlautender Aussagen populistischer Politiker, hat die Mitte der Gesellschaft nicht nur eine sehr schwache Interessenvertretung und Lobby, sie wird auch medial zwischen extremistischen Polarisierungen auf einen Punkt reduziert, was die unsere Existenz gefährdende „Schachfiguren-Gesellschaft“ (© Lusak) zur Folge hat: Oben den Kopf des gierigen Monopol-Kapitalismus mit seinen Handlangern und Politikern. Unten die sozial Schwachen und eine Working Poor Masse. Dazwischen die Mitte der Gesellschaft, die sich kaum mehr durchsetzen kann, weiter ausgehöhlt wird und damit den immer dünner werdenden Hals der Schachfiguren-Gesellschaft bildet.

Dass sich der Monopol-Kapitalismus der Superreichen und Konzerne so leicht an der Spitze der Schachfiguren-Gesellschaft halten kann, liegt an dem Umstand, dass populistische Politik mit Kapitalismus gerne kollaboriert. Weil sie gleiche Ziele und Strategien haben: den eigenen Machterhalt und die Beherrschung der Massen. Konzerne brauchen billige Arbeitskräfte für alles, was noch nicht digitalisiert ist sowie Käufer ihrer billigen, oft auch gesundheitsgefährdenden Massenprodukte und Marken. Populistische Politik will mit ihren Gewerkschaften genau von der gleichen Zielgruppe ihre Stimme bei der Wahl. Monopolisten können situationselastisch sowohl mit Links- wie mit Rechtspopulisten kollaborieren. Mit den Linken schwören sie auf Wokeness, Antirassismus und Klimawende, mit den Rechten auf Heimat, Nationalstolz und Religion. „Wer braucht da noch die Mitte?“ ist die dabei unausgesprochene und kurzsichtige Frage.

Mit jedem Tag, an dem der Krieg weitergeht, das Weltklima heißer wird, Inflation und Arbeitslosigkeit wächst, Kriminalität und Gewalt steigt, KI wuchert, digitale Souveränität sinkt und die Unsicherheit zunimmt brauchen wir mehr denn je Sicherheit mit zentrierter Vernetzung.

Die Lösung liegt in der runden Mitte

Damit die Menschheit überlebt, braucht es daher mehr Platz für Übersicht, Balance und Mitte. In der runden, kugelförmigen, widerstandsfähigen, krisenfesten Gesellschaft der Mitte gibt es wenige Superreiche und Arme und dafür viele fair behandelte Leistungsträger. Zu diesen Leistungsträgern der Mitte gehören die Führungskräfte und Experten von vitalen, Sicherheits-bezogenen Diensten wie Militär, Polizei, Medizin, Technologie, Digitalisierung, Lebensmittel, Wasser- und Energiewirtschaft usw. Entscheidend wird sein, dass nicht mehr Reichtum und Armut bekämpft wird, sondern die Mitte so sehr befreit und gestärkt ist, dass exorbitanter Reichtum und fürchterliche Armut quasi automatisch vermieden werden.

Um so einen stabilen Staat aufzubauen, ist zuerst einmal ein umfassendes Mitte-Monitoring, eine neue Kultur der Mitte in Körper, Geist, Seele und Gesellschaft, eine Demokratiereform mit einer echten Repräsentanz der Mitte in einem schlanken, sparsamen Staat aufzubauen. Dann sind noch faire Rahmenbedingungen für KMU und Mittelschicht und vor allem Unterstützung bei deren Entwicklung von Innovationen für globale Wettbewerbsfähigkeit und neue Einkommensmöglichkeiten zu erreichen.

Leadership, Human Ressource-Management & White Lobbying sind gefragt

Als engagierter Mensch und Coach nachhaltiger Innovations-Prozesse möchte ich auf die Leadership- und Human-Ressource-Management-Skills hinweisen, die erforderlich sind, um die runde Gesellschaft der Mitte zu realisieren und damit auch weltweite Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit, Resilienz und Krisenbewältigung zu ermöglichen. Diese Skills sollten in die auf Einzellösungen, auf vernetzte Lösungssysteme und auf komplette Sicherheits-, Souveränitäts- und Resilienzkonzepte ausgerichteten Fachkreise aufgenommen werden. Im Geist der Balance, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit und Kooperation. Und wohl auch im Geist des immer gültigen „kategorischen Imperativs“ von Immanuel Kant, der vereinfacht bedeutet: „Was du nicht willst das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu“. Das alles braucht Führungspersönlichkeiten, die voran gehen und die Fähigkeit, Menschen überzeugend anzusprechen, zu motivieren und zu mobilisieren.

Ich lade ein, dazu Vorschläge zu machen und erlaube mir vier erste Empfehlungen auszusprechen, die ich somit zur Diskussion stelle:

  1. Bekenntnis zur ideologischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Wissenschaft, Expertise und Praxis-Erfahrung aus dem Fachbereich Sicherheit, Souveränität, Datenschutz, Resilienz, Risiko- und Krisen-Management von Einflüssen der Monopole und Politik.
  2. Forcierung von sicherheitsrelevanten Forschungen, Entwicklungen und Innovationen sowie Open-Innovation-Prozessen im Rahmen von Arbeitsgruppen, Plattformen, Kooperationen und Vereinigungen. Nach den Prinzipien der „runden Gesellschaft der Mitte“. Weil Innovationen der Quell aller humanen Fortschritte sind.

 

  1. Individuelle, projektbezogene Anwendung von „White Lobbying“, einer offenen, durchstrukturierten Form des Lobbyings, das transparent, sauber und fair mit allen Wirtschaftstreibenden, Stakeholdern, Shareholdern, politischen Organisatoren Kontakt und gleichberechtigte Zusammenarbeit bezüglich der Durchsetzung von Innovationen sucht – und sich dabei nicht einzelnen Lobbys von Monopolen und Politik anschließt oder unterwirft.
  2. Bildung einer Arbeitsgruppe für den Aufbau einer sicherheits- und souveränitätsbewussten „Runden Gesellschaft der Mitte“, um der Dominanz und Manipulation von Monopolen und Politik generell etwas entgegenzustellen und freie, konstruktive Entfaltung der Menschheit zu ermöglichen.

Alle vier Empfehlungen benötigen Menschen die über Leadership, Human Ressource-Kompetenzen und die Fähigkeit verfügen, andere zu motivieren und zu mobilisieren. Und natürlich kann das nur aus einer Lebenseinstellung erwachsen, die Weitblick, Mut, Realismus, Eigenverantwortung, Lösungsorientierung, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit sowie Durchhaltevermögen umfasst.

Liebe Sicherheits-Expertinnen & Experten, sehr geehrte Leserinnen & Leser, lassen wir das Sisyphus-Syndrom hinter uns. Kommen wir von der individuellen zur ganzheitlichen Lösung. Alles Gute beginnt mit einem einzigen Schritt in die richtige Richtung. Einem Schritt der Vanguard, der Avantgarde, der Vorhut. Ich freue mich auf einen guten Dialog.

Wolfgang Lusak

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Mag. Wolfgang Lusak

ist Unternehmensberater, Innovations- & Lobby-Coach, Obmann der Lobby der Mitte, Buchautor & Essayist, schreibt in DIE PRESSE, KURIER etc.; war Manager bei Unilever, Gillette und BP sowie erster GF der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft; war 17 Jahre Universitäts-Lektor an WU; aktuelles Buch „Mein Herz schlägt in der Mitte“; insgesamt 10 Sachbücher; mehrfacher Preisträger in den Bereichen Marketing und Unternehmertum

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