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ANFRAGE AN DIE UNSTERBLICHEN 

Als Sommerlektüre empfehle ich nicht ohne Eitelkeit und Hintergedanken mein Buch „MEIN HERZ SCHLÄGT IN DER MITTE„. Es ist eine Erzählung, die sich über die letzten 80 Jahre erstreckt. Es ist eine Erzählung die meine ganze Hingabe an den Gedanken einer „Runden Gesellschaft der Mitte“  ausdrückt und dabei hoffentlich nicht nur mit Interessantem informiert, sondern auch mit Gelebtem mitreißt und mit Heiterem unterhält. Ich greife hier ein – zugegeben ziemlich skurriles – Unterkapitel heraus, um Sie auf das Buch neugierig zu machen.

ANFRAGE AN DIE UNSTERBLICHEN

Während des Schreibens dieses Buches habe ich manchmal davon geträumt, wie schön es wäre, wenn der eine oder andere der „unsterblichen“ großen Geister der Menschheitsgeschichte aus dem Himmel heruntersteigen könnte. Um die Mitte zu stärken. Um uns allen zu helfen. Hier ihre Beiträge;

Mitte oder Nicht-Mitte, das ist die Frage“, schrieb mir Shakespeare auf meine Anfrage und hat offenbar seinen Hamlet in den Mund gelegten Ausspruch „Sein oder nicht sein, das ist die Frage“ für meine Idee ein wenig abgewandelt. Augenzwinkernd. Wie nett von ihm. Passt in unsere Zeit. Shakespeare for ever.

Der Zweck heiligt die Mitte”, kam dann von Machiavelli. Ich realisierte nicht gleich das winzige, schelmische Weglassen des „l“ am Ende seiner zum Klassiker gewordenen Aussage. Fühlte mich liebevoll verstanden. Und unsagbar geehrt. Machiavelli reloaded.

A middle class hero is something to be”, das hat mir John Lennon leider nicht gesendet. Wohl weil er sich mit seinem Song „Working Class Hero“ ursprünglich auch gegen die Mittelklasse gewendet hatte. Aber heute, da bin ich sicher, wüsste auch er, dass die Mittelklasse zur neuen Arbeiterklasse geworden ist und endlich aufstehen sollte. Now and Then.

Geschickte Ackerbauern und Handwerker sollen belohnt werden“, diese Aussage schickte mir Katharina die Große, Kaiserin von Russland. Ich nahm das Originalzitat dankbar auf, weil es eine recht frühzeitige Bestrebung dokumentiert, den Leistungen des Mittelstands gerecht zu werden.

In seiner Mitte zu sein bedeutet, zwischen entgegengesetzten Leidenschaften und Lastern eine tugendhafte Haltung einzunehmen“, mit diesen Worten brachte sich Aristoteles bei mir ein und ergänzte: „Das ist nicht mit Durchschnittlichkeit und Mittelmäßigkeit zu verwechseln.“ Ich war sofort begeistert, denn er hat an seinem Originalzitat nichts geändert. Es ist damals mit der Mitte genauso gewesen wie heute. Und er hat es damals schon verstanden.

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns“, berührend schön, poetisch und weise, natürlich von Rumi und typisch Rumi. Er muss das Wort „Mitte“ nicht aussprechen, es genügt die Andeutung.

„Man braucht im Leben nichts zu fürchten, man muss es nur verstehen. Jetzt es ist es an der Zeit, mehr zu verstehen, damit wir weniger fürchten.“ Das ist wahrhaft der Geist der runden Mitte, ausgedrückt mit dem Originalzitat der Physik-Nobelpreisträgerin Marie Curie. Ermutigend. Absolut zeitlos.

Ich spalte Schädel gerne in der Mitte“, traf von Dschingis Khan ein, der die gespaltenen Köpfe der von ihm Besiegten in Pyramidenform aufstapeln ließ. Dabei habe ich bei ihm gar nicht angefragt. Seinen mir dennoch zugesendeten Beitrag habe ich als geschmacklos, unpassend, sarkastisch eingestuft. Ich nahm ihn hier nur als besonders abschreckendes Beispiel dafür, wie sich die Ablehnung der runden Mitte auswirken kann.

Konfuzius sandte eine sehr klare, strenge Botschaft: Sich zu keiner Seite hinneigen, heißt Mitte, kein Schwanken zulassen, heißt Maß. Mitte bezeichnet den rechten Weg, den alle unter dem Himmel gehen sollen, Maß bezeichnet das für alle unter dem Himmel gültige Prinzip.“ Er war bekannt dafür, dass er sich auf eine praktische, tugendhafte, ernste Sicht des menschlichen Verhaltens fokussierte, die er auch konsequent einforderte.

Noch ein großer chinesischer Meister zeigte auf: „Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert.“ Danke und Verehrung, Laozi. Noch einer von uns.

… und was die Mitte bringt ist offenbar, das was zu Ende bleibt und Anfangs war.“ So viel runde Weisheit, das konnte nur von Goethe kommen. Ein Ausschnitt seines Gedichtes „Unbegrenzt“. Ich musste es mehrmals lesen, um es ganz zu verstehen.

„… Extreme vermeidend, erwacht der Vollendete zum mittleren Vorgehen, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt.“ Das kam, unschwer zu erkennen, von Buddha. Auch richtig. Ob wir ins Nirvāna wollen oder nicht.

„Mir bleibt auch nichts erspart“, schrieb mir Kaiser Franz Joseph und ich war nicht sicher, ob er jetzt meine Anfrage oder ganz allgemein den Mittelstand gemeint hat. Er hat die Mitte wohl nie gemocht.

Im letzten Augenblick und völlig unverhofft meldete sich noch Friedrich Schiller: „Wir schweben hier gleichsam um die zwei äußersten Enden der Moralität, Engel und Teufel, und die Mitte – den Menschen – lassen wir liegen.“ Danke. Ich verneige mich. Solche Fürsprecher brauchen wir.

Ich gestehe, dass ich den verehrten, unsterblichen, im ewigen Olymp genialen Geistes thronenden Persönlichkeiten nur imaginär einen Abdruck dieses Buchs senden konnte. Daher war die Bitte, mir nach dem Lesen einen kurzen Kommentar zu senden, auch theoretischer Natur. In der profanen Realität nahm ich mit diesen „Göttern“ durch Nachsehen in Büchern und im Internet Kontakt auf. Natürlich war es eine Anmaßung sondergleichen, die Unsterblichen in ihrem himmlischen Ruhestand mit irdischen Belangen zu belästigen. Ich rechtfertige mich mit der „höchsten Dringlichkeit der Situation“ und der „Freiheit der Kunst“. Ich hoffe einfach, die Angesprochenen können in irgendeiner mir unerklärlichen Weise von der nicht immer korrekten Zitierung ihrer geistigen Botschaften in diesem Buch erfahren, dabei auch die anderen Zitierten sehen, schmunzeln und sich letztlich gemeinsam verstanden fühlen.

Wolfgang Lusak
(Ausschnitt aus dem Buch „Mein Herz schlägt in der Mitte“ – Seite 422 und 423)

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Mag. Wolfgang Lusak ist Obmann der unabhängigen „Lobby der Mitte“ und Lobby-Coach für Innovationsprojekte. In seiner Erzählung „Mein Herz schlägt in der Mitte“ legt er ein Fünf-Punkte-Programm für die „Gesellschaft der Mitte“ vor

www.lusak.at  www.lobbydermitte.at  www.herzindermitte.at