34. Monat in Folge Anstieg der Arbeitslosen

LdM bringt diesen Bericht der wirtschaftsnachrichten, weil sie sehr deutlich aufzeigen, dass Österreich nicht wirklich „aus dem Schneider“ ist, nur weil die Inflation gesunken und ein paar „Gießkannen-Förderungen“ auf den Weg gebracht wurden (z.B.: die strukturell-langfristig kaum wirkungsvolle Industrie-Strategie). Solange keine echten, Kosten einsparenden Strukturreformen in Pensionen, Steuergerechtigkeit, Föderalismus, Verwaltung und Bürokratie angegangen werden, solange wird Österreich insgesamt schwächer und ärmer werden. Und wir fragen zu den in der Bewertung genutzten AMS-Statistik-Infos: Wieso sind gerade in den drei SPÖ-geführten Bundesländer die höchsten und einzigen über dem Bundesschnitt liegende Arbeitslosenzahlen? Wieso haben die offenen Stellen um 10% abgenommen? Danke an die wirtschaftsnachrichten | Das Wirtschaftsmagazin für Leser mit regionalem Bewusstsein

34. Monat in Folge Anstieg der Arbeitslosen

Überblick:

  1. Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat sich zum Jahresstart beschleunigt.
  2. Frauen tragen die Hauptlast der Arbeitsmarktkrise

  3. Ältere besonders betroffen

  4. Die höchsten Arbeitslosenzahlen sind in den drei Bundesländern Wien, Kärnten und Burgenland

  5. Industriellenvereinigung fordert Senkung der Lohnnebenkosten

  6. Langzeitbeschäftigungslosigkeit nimmt bedrohlich zu

     

1. Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat sich zum Jahresstart beschleunigt.

Ende Jänner waren 456.192 Menschen arbeitslos oder in einer Schulung des Arbeitsmarktservice (AMS). Das waren um 2,4 Prozent oder 10.679 Menschen mehr als vor einem Jahr, wie das AMS und das Arbeitsministerium am Montag bekanntgaben. Im Dezember war die Arbeitslosigkeit im Jahresabstand um 2 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt nun laut Vorabschätzwert bei 8,8 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte).  © adobe stock/fizkes

Die aktuellen AMS Daten zeigen eine besorgniserregende Entwicklung am Arbeitsmarkt Österreich. Im Jänner 2026 waren 456.192 Personen ohne Beschäftigung oder befanden sich in Schulungsmaßnahmen.

Das entspricht einem Zuwachs von 10.670 Personen gegenüber dem Vorjahresmonat, was einer Steigerung von 2,4 Prozent gleichkommt. Die Arbeitslosenquote Österreich erreichte damit 8,8 Prozent.

Der 34. Monat in Folge mit steigender Erwerbslosigkeit offenbart dabei eine ungleiche Verteilung der Krisenfolgen. Während die Beschäftigungslosigkeit bei Männern im Jahresvergleich lediglich um 1,9 Prozent zulegte, verzeichneten Frauen einen dramatischen Anstieg von 7,0 Prozent.

Auch ältere ArbeitnehmerInnen ab 50 Jahren trifft die negative Arbeitsmarktentwicklung besonders hart – hier liegt der Zuwachs bei 4,9 Prozent. Gleichzeitig verfestigt sich die Langzeitarbeitslosigkeit mit einem alarmierenden Plus von 14,1 Prozent im Vergleich zum Jänner 2025.

2. Frauen tragen die Hauptlast der Arbeitsmarktkrise

Die aktuellen Arbeitslosenzahlen Österreich zeigen eine deutliche Geschlechterungleichheit147.437 Frauen sind derzeit ohne Job – das bedeutet einen Anstieg um 9.595 Personen (+7,0 Prozent). Bei Männern stieg die Zahl auf 232.334, ein Zuwachs um 4.430 Personen (+1,9 Prozent). Die Arbeitslosigkeit bei Frauen klettert damit nahezu viermal schneller als bei Männern.

„Die Wirtschaftskrise bekommt zunehmend ein weibliches Gesicht“, betont Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus, Bundesnetzwerk sozialer Unternehmen. „Frauen arbeiten überproportional in Branchen, die in Krisenzeiten als erste unter Druck geraten: Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Dienstleistungen. Gleichzeitig sind es nach wie vor mehrheitlich Frauen, die bei familiären Betreuungspflichten zurückstecken und deren Erwerbsbiografien dadurch brüchiger werden. Diese strukturelle Benachteiligung zeigt sich in den Arbeitslosenzahlen in aller Deutlichkeit.“

Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus, sagt deutlich: „Wir haben ein akutes Thema der Ausgrenzung am Arbeitsmarkt.“

Während die Wirtschaft erste zaghafte Erholungszeichen zeige, hätten bestimmte Gruppen keine Chance auf einen Job. „456.192 arbeitslose oder in Schulung befindliche Menschen bedeuten nicht nur Sofortkosten von vielen Millionen Euro für bspw. Arbeitslosengeld, sondern auch volkswirtschaftlich weit höhere Kosten, wenn sich die Arbeitslosigkeit verfestigt“, so Rehbichler.

3. Ältere besonders betroffen

Die Beschäftigungslage für Menschen ab 50 Jahren verschlechtert sich dramatisch. 116.749 Personen dieser Altersgruppe sind derzeit ohne Job, das sind 5.431 mehr als vor einem Jahr (+4,9 Prozent). Bei den über 60-Jährigen fällt der Anstieg noch gravierender aus: Hier beträgt das Plus sogar 12,3 Prozent. Zum Vergleich: Bei Jugendlichen unter 25 Jahren liegt der Zuwachs bei nur 1,6 Prozent.

„Ältere Arbeitnehmer:innen haben es in Krisenzeiten besonders schwer“, analysiert Rehbichler. „Wir erleben hier eine strukturelle Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Unternehmen scheuen das vermeintliche Risiko, ältere Arbeitskräfte einzustellen, obwohl gerade diese Gruppe Erfahrung, Loyalität und Stabilität mitbringt. Im demografischen Wandel können wir uns diese Verschwendung von Arbeitskraft schlicht nicht leisten – weder wirtschaftlich noch sozialpolitisch.“

Die durchschnittliche Vormerkdauer beim AMS kletterte auf 184 Tage – das sind 16 Tage mehr als im Vorjahr. Für ältere ArbeitnehmerInnen liegt dieser Wert noch deutlich höher bei 259 Tagen. Mit zunehmender Dauer der Jobsuche sinken nachweislich die Chancen auf einen erfolgreichen Wiedereinstieg.

Hier kommt die neue Bundesinitiative ‚Aktion 55+‚ ins Spiel. Sie soll bis zu 6.000 Jobs für ältere ArbeitnehmerInnen schaffen. „Die Politik erkennt den Handlungsbedarf“, so Vollmann.

4. Die höchsten Arbeitslosenzahlen sind in den drei Bundesländern Wien, Kärnten und Burgenland

5. Industriellenvereinigung fordert Senkung der Lohnnebenkosten (Lobby der Mitte schließt sich an)

Die Industriellenvereinigung (IV) sieht in der angespannten wirtschaftlichen Situation dringenden Handlungsbedarf.

„Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich zunehmend für unsere österreichische Industrie, Stellenabbau und Arbeitslosigkeit verfestigen sich. Die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, die schwache Konjunktur und steigende Kosten setzen den Betrieben immer noch zu. Die in der Industriestrategie angekündigte Lohnnebenkostensenkung wäre ein Schlüssel, um dem konjunkturellen Lichtblick unter die Arme zu greifen“, heißt es von der IV.

Die Industrievertreter sprechen sich wiederholt dafür aus, sämtliche Möglichkeiten zur Reduktion der Lohnnebenkosten tatsächlich zu nutzen. Dies würde den Standort entlasten, ohne die hohen sozialen Standards anzutasten.

Potenzial sieht die IV beispielsweise beim Arbeitslosenversicherungsbeitrag, der mit 5,9 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfällt wie in Deutschland. Auch der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) mit 3,7 Prozent auf Unternehmensseite könne gesenkt werden.

„Die im internationalen Vergleich sehr hohe Abgabenlast wirkt wachstumshemmend, setzt negative Beschäftigungsanreize und stellt einen enormen Wettbewerbsnachteil dar“, meint die IV. Eine entsprechende Entlastung würde Investitionen fördern und Arbeitsplätze sichern.

6. Langzeitbeschäftigungslosigkeit nimmt bedrohlich zu

Die Entwicklung bei der Langzeitarbeitslosigkeit gibt besonderen Anlass zur Sorge. 101.536 Personen fallen darunter – das entspricht einem Anstieg um 12.569 Personen (+14,1 Prozent). Mehr als jeder vierte Erwerbslose (26,7 Prozent) zählt bereits zu den Langzeitbeschäftigungslosen.

„Die Langzeitarbeitslosigkeit wächst fast doppelt so schnell“, warnt Vollmann. „Ebenso steigt die Dauer. Setzt sich diese Dynamik fort, droht eine massive Ausweitung des verfestigten Sockels der Langzeitbeschäftigungslosigkeit, mit allen sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten.“

Bis 2040 ist, trotz der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters, mit einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung zu rechnen. Viele Unternehmen, unter anderem in der Gastronomie, in der Pflege und im Handwerk, klagen bereits seit längerem über einen Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig steigt die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen. Es braucht gezielte strukturelle Maßnahmen verbunden mit dem Ausbau aktiver Arbeitsmarktpolitik. Soziale Unternehmen machen genau das: Integration statt Verwaltung.“

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